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„Lokales Gewerbe und Einkaufsmöglichkeiten im Dorf werden auch 2030 noch gefragt sein.“

02.12.2015

In einem einmaligen Gemeinschaftsprojekt soll der Entwicklungsschwerpunkt Wil West in den nächsten 25 Jahren zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort an bester Lage ausgebaute werden. Mit der Realisierung von Wil West setzen die beiden Kantone Thurgau und St.Gallen ein entscheidendes Signal für die langfristige volkswirtschaftliche Stärkung und Positionierung der gesamten Region. Guido Grütter ist als Gemeindepräsident von Münchwilen und stellvertretender Präsident von Regio Wil direkt in die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten für Wil West involviert. Wir wagten mit ihm den Blick in die Zukunft.

Guido Grütter, Gemeindepräsident Münchwilen

Guido Grütter, Gemeindepräsident Münchwilen

 

Verwandelt sich Münchwilen bis ins Jahr 2030 in ein modernes Wirtschaftszentrum?

Guido Grütter: Zum Teil, ja. Die rund 10ha im Perimeter Wil West liegen schliesslich auf Münchwiler Gemeindeboden – und dort werden dereinst in modernen Dienstleistungs- und Gewerberäume bis zu 2000 Menschen qualifizierte Arbeit bei neuen Unternehmen finden. Gemeinsam stärken sie nicht nur unsere Gemeinde, sondern die gesamte Region als wichtiger Standort im wachsenden Metropolitanraum Zürich. Andererseits bleibt Münchwilen eine familienfreundliche Gemeinde mit lebenswerten Wohnquartieren, schönen Naherholungsgebieten und hoher Lebensqualität. Dieser Mix kann ab 2030 zu unserer grossen Stärke werden.

 

Wird es im Dorf dann noch Gewerbebetriebe und Einkaufsläden geben oder konzentriert sich alles in Wil West?

Guido Grütter: Aber natürlich werden die eingesessenen Gewerbebetriebe und Einkaufsläden im Dorf bestehen bleiben und im Ort selbst ausbauen können, davon bin ich überzeugt, weil entsprechende Flächen schon heute als Bauland eingezont sind. Wil West bietet vor allem Entwicklungsraum für die konzentrierte Neuansiedlungen von Unternehmen an gut erschlossener Lage. Diese Unternehmen und die erwähnten Mitarbeitenden sollen sich positiv auf die Finanzkraft der Kantone und der Gemeinden auswirken. Sicher werden sich weitere Familien und ein Teil der gut ausgebildeten Fachkräfte in unserer Gemeinde niederlassen. Darin sehe ich ein grosses Potenzial um zusätzliche, für uns wichtige Steuererträge zu generieren. Zudem werden auch die ansässigen Dienstleistungs-, Detailhandels- und Gewerbebetriebe durch diese Entwicklung gestärkt, denn das lokale Gewerbe und gute Einkaufsmöglichkeiten im Dorf für den alltäglichen Gebrauch sind wichtige Qualitäten, die auch 2030 noch gefragt sein werden.

 

Stichwort Verkehr: Die Verkehrsbelastung heute ist gross, der Individualverkehr belastet die Dörfer der Region. Wie ist das im Jahre 2030? Gehts ruhiger zu und her? Könnte ich mit meinen Enkeln durch Münchwilen flanieren?

Guido Grütter: Die neue Autobahnauffahrt ist ein zentrales Element von Wil West. Sie schliesst das Wirtschaftsgebiet direkt an die A1 an. Die Anbindung an den Autobahnanschluss erfolgt durch den zweispurigen Boulevard von Wil West. Das wird nicht nur die Stadt Wil, sondern auch Münchwilen und Sirnach vom Durchgangsverkehr entlasten. Durch die Verlegung des Bahntrassees der Frauenfeld-Wil-Bahn kommt Münchwilen darüber hinaus zu einer neuen Haltestelle „Wil-West“. Optimierte Linienführung regionaler Linien von Bus und Bahn garantieren eine flächendeckende Versorgung durch den ÖV auch in der Gemeinde Münchwilen. Das soll dazu beitragen, den Individualverkehr einzudämmen, denn ich bin sicher: Je besser das Angebot des ÖV, umso mehr Menschen werden langfristig dieses Angebot nutzen. Unsere Gemeinde wird also auch in 25 Jahren – genau wie heute – genügend Raum mit hoher Aufenthaltsqualität in nächster Nähe und entspannte Spaziergänge durch die Gemeine bieten. Die hohe Lebensqualität in Münchwilen wird also auch dann noch ein wichtiger Anziehungspunkt für Jung und Alt sein.

 

Und nach Wil West? Werden die Menschen hierher kommen wegen der Shoppingcentren und Unterhaltungstempeln? Oder wegen schön gestalteten Parks und öffentlichen Begegnungszonen?

Guido Grütter: In der Charta Wil West, die von allen Projektpartnern unterzeichnet wurde, und im Masterplan ist klar definiert, dass nur arbeitsplatzintensive Nutzungen mit verhältnismässig zur Fläche hoher Wertschöpfung in Wil West vorgesehen sind. Ausgeschlossen sind beispielsweise Logistik- oder Shoppingcenter. Grossen Wert wird auf attraktive öffentliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität gelegt. Am Boulevard präsentieren sich verschiedene Firmen kundenwirksam, eine markante Allee sorgt für ein besonderes Ambiente. Grünflächen, Velowege, Parks und schön gestaltete Plätze laden ein zum Verweilen und Flanieren. So wird im Jahr 2030 das neue Quartier Wil West selber gute Möglichkeiten zum Flanieren in Münchwilen geben. 

 

Gibt‘s 2030 in Münchwilen noch Bauernhöfe? Oder sind alle Grünflächen bis dahin verschwunden?

Guido Grütter: Ja; da bin ich mir ganz sicher. Über die bestehenden Siedlungsränder soll - mit Ausnahme von Wil West - nicht weiter in die grüne Landschaft hinaus gebaut werden. Für die Realisierungspartner ist es ja gerade ein wichtiges Ziel, durch die Konzentration von Gewerbe- und Industrieflächen in Wil West, der Zersiedelung der Landschaft entgegenzuwirken. Wirtschaftliche Stärkung der Region und die Schaffung von attraktiven Arbeitsperspektiven für kommende Generationen gehen bei Wil West Hand in Hand mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und landschaftlichen Flächen, die erhalten werden müssen.

 

Sie sehen ganz offensichtlich eine positive Zukunft für Ihre Gemeinde – trotz oder wegen Wil West?

Guido Grütter: Natürlich wegen Wil West. Dieser moderne, gut erschlossene Wirtschaftsstandort in einer attraktiven Region mit viel Lebens- und Aufenthaltsqualität bietet für kommende Generationen gute Perspektiven, hier Leben und Arbeiten ideal miteinander zu verbinden.